…endete Chris sein Leben mit einem lauten Knall. Und ich hoffe mit gewaltigen Schmerzen…
Denn niemand, der sich das Leben nimmt, sollte diese Welt schmerzfrei verlassen dürfen.
Es dauert zugegeben noch einige Stunden bis es genau 2 Jahre her ist, denn Chris beendete sein Leben am späten Nachmittag. So zumindest wurde es mir gesagt. Denn erst morgen ist es auch 2 Jahre her, dass ich davon erfuhr.
Wenn ich so drüber nachdenke, kommt es mir gar nicht so vor als wäre es wirklich 2 Jahre her. Die Erinnerung an diesen Tag sind noch so frisch als wären sie gestern erst gewesen. Zugegeben nur die Erinnerungen an den morgigen Tag vor zwei Jahren. An den heutigen hingegen erinnere ich mich kaum. Es war eben ein Tag wie jeder anderer, ich musste (für meinen Geschmack) viel zu früh aufstehen und zu der dusseligen BvB-Maßnahme gehen, bei der ich mich sowieso völlig fehl am Platz fühlte. Ich beendet meinen „Arbeitstag“ mit irgendeinen dummen Smalltalk und dachte wahrscheinlich kurz darüber nach nächste Woche einfach krank zu machen.
Wahrscheinlich habe ich sogar an den dummen Streit gedacht, den ich einige Tage vorher mit Chris hatte und ich bin mir fast sicher dass ich bereits darüber nachdachte wie ich mich am besten bei ihn entschuldigen könnte. Aber das ist auch alles was ich noch von diesen Tag weiß. Und das meiste davon ist eher eine Vermutung.
Wenn ich an den Tag morgen vor 2 Jahren denke…
Da erinnere ich mich an das Wetter, an den sternenklaren Himmel als ich zur Arbeit ging, an die eisige Kälte dieses Januar Morgens, ich erinnere mich sogar an mein Frühstück. Und ich erinnere mich auch an den Moment als Martin vor mir stand… an den Moment als ich den Brief zu lesen bekam… an den Kaffee zu den Martin mich genötigt habe und den ich nicht getrunken habe… an die paar Fragen die ich ihn gestellt habe.
Ganz besonders erinnere ich mich an den Moment als ich Martin ansah und mir die Erkenntnis kam: „Du hast es gewusst! Du hast genau gewusst das er sowas vor hat und du hast es mir nicht gesagt… wahrscheinlich hast du nicht mal versucht ihn davon abzuhalten!“ Eine Erkenntnis die ich ihn nie so ins Gesicht gesagt habe, aber die ich ab diesen Moment nicht mehr aus meinen Kopf bekommen habe.
Ich erinnere mich auch noch an meine Heimfahrt und an mein Abendessen… und ich erinnere mich an diesen „Schleier“ der von diesen Tag an auf mir lag. An dieses gedämpfte Gefühl das alles um mich herum farblos erscheinen und dumpf klingen lies. Es fühlte sich an als wäre ich in Watte gepackt, nichts drang mehr zu mir durch und ich fühlte mich die ganze Zeit als wäre ich gar nicht richtig wach.
Ich erinnere mich sogar noch worüber ich an diesen Tag mit Marco sprach und vor allen erinnere ich mich daran worüber ich nicht mit ihn sprach. Den über Chris, seinen Tod, seinen Abschiedsbrief (den ich von diesen Tag an über eine Woche in meinen Rucksack mit mir rumtrug) oder über Martin und mein Gespräch mit ihn verlor ich an diesen Tag kein Wort. Und auch den Tag danach nicht… es dauerte ganze 3 Monate bis ich dieses Thema mal anschnitt gegenüber Marco oder allgemein gegenüber irgendjemanden der nicht direkt betroffen war (bzw. der nicht mich darauf ansprach).
An diese beiden Tage erinnere ich mich, als wäre es gestern gewesen.
Wenn ich aber an den Moment denke in dem ich zusammengebrochen bin, als diese „Watteschicht“ verschwand und mir emotional klar wurde was dieser Abschiedsbrief bedeutet… wenn ich an das letzte Gespräch mit Chris denke… wenn ich daran denke wie ich es Marco erzählt habe… wenn ich an den Streit mit Chris seinen Vater denke, der mir verbot bei der Beerdigung dabei zu sein… wenn ich an all die Stunden denke die ich einfach nur weinend.. .trauern verbracht habe… dann kommt es mir nicht vor als wäre das 2 Jahre her. Es kommt mir vielmehr vor als wäre das schon Jahrzehnte her!
Diese Zeit, diese Momente sind in meiner Erinnerung so surreal… so verschwommen, als wäre es mein halbes Leben her das sie passierten.
Schon merkwürdig oder?
Tja… eigentlich wollte ich heute (also nachher) in die Kirche. Da ich aber krank bin wird daraus wohl nichts werden. Nicht mal das ich mir grob sorgen um das morgens hochkommen mache… viel mehr finde ich es extrem unpassend in eine Kirche zu einen Gottesdienst zu gehen, wo hauptsächlich ältere Leute sind, wenn ich krank bin. Ich mache mir da ernsthaft Sorgen ob ich diese Leute nicht unnötiger weise Anstecken könnte. Also lasse ich es lieber sein. Nächsten Sonntag ist ja auch noch ein Tag.
Nun ist Chris also schon zwei Jahre tot.
Die Zeit heilt alle Wunden, heißt es. Zwei Jahre, sind aber offensichtlich noch nicht genug Zeit für solche Wunden. Das beweist wohl dieser Blog Eintrag.
Sonntag, 18. Januar 2009
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3 Kommentare:
Da muss ich doch zu meiner Beschähmtheit glatt sagen, das posten hier vergessen zu haben.
Da ich weis, das du zu dem Thema nicht viel höhren willst und ich auch nicht in der Lage bin viel dazu zu sagen mal eine kleine Metapher :D:
Ich hab mir vor nun mehr 6,5 Jahren (Man bin ich alt), den Arm gebrochen. Elle und Speiche gesplittert beides musste operativ versorgt werden...
Das war die schlimmste pshysische Verletzung die ich je erlitten habe. Die Narbe ziert mein Arm auch wenn sie schon relativ Haufarben ist, ist sie deutlich erkennbar. Häufig genug aber entdecken die Leute sie erst nach Jahren.
Es ist nun 6 Jahre her der Bruch ist wunderbar verheilt, selbst die Beweglichkeit der Hand ist wieder hergestellt, alles sollte wieder so sein wie vorher :D.
Das ists aber nicht, die Narbe merkt man häufig genug und pocht wenn beim Training häufig darauf getroffen wird. Aber neben der Narbe und dem kribbeln hin und wieder, habe ch seit dem nie wieder meine Sportlicheform wie ich sie damals hatte erlangt, weil ich ein Jahr kein Sport gemacht habe.
Jetzt fange ich langsam wieder an das alles aufzuarbeiten.
Was ich damit sagen will?
Es ist nicht einfach nur eine Narbe, die bleibt mir ewig, stört mich aber nicht immer. Auch was sich dadurch verändert hat bleibt lange bestehen, das heißt aber nicht das es so bleiben muss. Man muss sich nur damit befassen ;).
Also kleine Lady Kopfhoch und weiter machen. Fluchen tut man häufig über alles was schlecht, ist wichtig ist das positive nicht aus den Augen zu verlieren und sich mehr positive Dinge erarbeiten. *nick*
Das war dann nu Serra's Wort zum Sonntag :D. (So viel steht nicht mal in meinem Blog xD)
Vielen dank für diese Metapher. Fand sie durchaus sehr hilfreich und verstehe auch was du damit sagen willst.
Im Grunde hast du sicher recht. Ich arbeite dran das es wieder besser wird ;)
*schmunzel*
Auch wenn es vielleicht nicht ganz passt, aber ich dachte ich führe es mal auf und es sollte mit der Metapher zusammen hängen.
Vor 2 Tagen sagte V. genau das selbe zu mir mit den Narben. Sie erklärte es mir und bezog es wohl sowohl auf mich als auch auf sie.
Fand ich sehr amüsant, auch wenn ich ein moment brauchte um zu wissen woher ich diese Metapher kannte, dabei war es meine eigene.^^
Freut mich das ich helfen konnte.
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